Jede Gesellschaft hat unterschiedliche Ansichten darüber, was Ehre ist. Ehre ist oft eng verbunden damit, dass ein Mensch in der Gesellschaft anerkannt und wertgeschätzt wird. Oft muss eine Person bestimmte Erwartungen erfüllen, um anerkannt zu werden. Wenn eine Person diese Erwartungen nicht erfüllt, wird das oft als Verletzung der eigenen oder der Familienehre verstanden.
Wenn die Ehre der Familie verletzt wird oder verletzt werden könnte, nutzen Familien manchmal ihre Macht, um die Ehre der Familie zu retten oder wiederherzustellen. Die Familien wenden dafür auch Gewalt an. Die Mitglieder der Familie denken, dass sie durch diese Gewalt die Ehre der Person und der Familie wiederherstellen. Das wird als ehrbezogene Gewalt bezeichnet.
In Deutschland ist jede Form von Gewalt gegenüber anderen Menschen verboten. Deshalb ist auch ehrbezogene Gewalt gesetzlich verboten und wird bestraft. Auch wenn jemand meint, eine andere Person habe seine oder ihre Ehre oder die Ehre der Familie verletzt.
In Deutschland ist es keine Verletzung der Ehre, wenn zum Beispiel eine Person
- (sexuelle) Beziehungen vor der Heirat hat,
- vor der Heirat nicht mehr Jungfrau ist,
- vergewaltigt wurde (Vergewaltigung ist in Deutschland eine Straftat und gesetzlich verboten),
- die Familie verlassen hat, um an einem anderen Ort zu leben,
- sich gegen eine arrangierte Heirat wehrt,
- sich anders verhält, als die Familie das will, zum Beispiel nach der Schule nicht sofort nach Hause geht,
- sich anders anzieht, als die Familie das möchte,
- nicht mehr mit der Ehepartnerin/dem Ehepartnerin zusammen sein möchte und sie oder ihn verlässt,
- einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt.
Formen von ehrbezogener Gewalt
In vielen Gesellschaften haben Männer mehr Freiheiten und Macht als Frauen. Die Rollen der Männer und Frauen (Geschlechterrollen) sind sehr verschieden. Deshalb sind meistens Frauen Opfer ehrbezogener Gewalt.
Ehrbezogene Gewalt kann viele Formen haben, zum Beispiel:
- Kontrolle: Das Mädchen oder die Frau wird von Familienmitgliedern überwacht und darf nicht mit Freundinnen/Freunden weggehen oder Sport treiben.
- Körperliche Bestrafung: Das Mädchen oder die Frau wird getreten oder geschlagen.
- Psychologische Bestrafung: Das Mädchen oder die Frau wird beleidigt oder bedroht, die anderen Mitglieder der Familie sprechen nicht mehr mit ihr, schauen sie nicht an und ignorieren ihre Anwesenheit.
- Das Mädchen oder die Frau wird gegen ihren Willen verheiratet (Zwangsheirat).
- Das Mädchen oder die Frau wird gezwungen, Selbstmord zu begehen.
- Das Mädchen oder die Frau wird von einem andern Familienmitglied ermordet.
Manchmal erleben auch Männer ehrbezogene Gewalt, zum Beispiel wenn sie homosexuell sind oder wenn sie mit einer arrangierten Heirat nicht einverstanden sind.
Die Gewalt kann durch mehr als ein Familienmitglied ausgeübt werden. Die Täter sind meistens Männer und selten Frauen. Manchmal ist es die Partnerin/der Partner einer Person.
Hilfe suchen
Wenn Sie Opfer ehrbezogener Gewalt sind oder Angst davor haben, suchen Sie sich Hilfe:
- Sprechen Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen können.
- Wenn Sie zur Schule gehen, können Sie sich an Ihre Lehrerinnen/Lehrer wenden, die Ihnen weiterhelfen können. Sprechen Sie über Ihre Angst vor der Gewalt. Erzählen Sie genau, wovor Sie Angst haben. Dann kann Ihre Lehrerin/Ihr Lehrer Ihnen besser helfen.
- Wenden Sie sich an spezialisierte Organisationen oder Beratungsstellen, die Ihnen helfen können. Zum Beispiel Terre des Femmes.
- Wenden Sie sich an die Polizei. Sprechen Sie über die Gewalt. Erzählen Sie genau, was Ihnen passiert. Dann kann Ihnen die Polizei helfen.
Every society has a different opinion about what honour is. Honour is often closely linked to the fact that a person is recognized and valued in society. Often a person needs to fulfil certain expectations in order to be recognized. If a person does not meet these expectations, this is often understood as a violation of that person's own honour or the honour of the family.
If the honour of the family is or could be harmed, families sometimes use their power to save or restore the family's honour. The families sometimes also use violence to do this. The members of the family think that through this violence they will restore the honour of the person and the family. This is referred to as honour related violence.
In Germany, any form of violence against other people is forbidden. That is why honour related violence is also forbidden by law and is punished. Even if someone thinks another person has violated his or her honour or the honour of their family.
In Germany, it is not a violation of honour if, for example, a person
- has a (sexual) relationship before marriage,
- is no longer a virgin before getting married,
- is raped (rape is a criminal offense in Germany and is forbidden by law),
- has left his or her family to live in another place,
- is opposed to arranged marriage,
- acts differently than the family wants or expects, for example, does not go home immediately after school,
- dresses differently than the family would like,
- no longer want to be with his or her spouse or decides to leave him or her,
- decides to have an abortion.
Forms of honour related violence
In many societies, men have more freedom and power than women. The roles of men and women (gender roles) are very different. That's why most victims of honour related violence are women.
Honour related violence can have many forms, for example:
- Control: The girl or the woman is supervised by family members and cannot go out with friends or go exercise.
- Physical punishment: The girl or woman is kicked or beaten.
- Psychological punishment: The girl or woman is spoken to offensively or threatened, the other members of the family no longer speak to her, do not look at her and ignore her presence.
- The girl or woman is forced to marry against her will (forced marriage).
- The girl or woman is forced to commit suicide.
- The girl or woman is murdered by another family member.
Sometimes men also experience honour related violence, for example, if they are homosexual or if they disagree with an arranged marriage.
More than one family member can commit this type of violence. The perpetrators are usually men and rarely women. Sometimes it is the victim’s partner.
Getting help
If you are a victim of honour related violence or are afraid of it, seek help:
- Talk to someone you can trust.
- If you go to school, you can contact your teachers for help. Talk about your fear of violence. Tell them exactly what you are afraid of. Then your teachers can better help you.
- Contact specialized organizations or counselling services that can help you. For example Terre des Femmes.
- Contact the police. And talk to someone about the violence. Tell them exactly what has happened to you. Then the police can help you.